High Tension (Band)

Aus The Backnang Rock City Wiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Von 1968 bis 1971 aktive Coverband aus Backnang.

Besetzung

Geschichte

Sämtliche Details zur Besetzung und Geschichte von High Tension stammen von Schlagzeuger Reinhard "Chap" Kobald. Die im Folgenden zitierten Erinnerungen stammen ausnahmslos von ihm.[1]

Vorgeschichte

"Es muss wohl Anfang 1968 gewesen sein, als ich [= Reinhard "Chap" Kobald] Interesse am Schlagzeug spielen entwickelte. Maßgeblich beteiligt war mein Vetter Gerd, der selbst schon in der Band "(Name entfallen)" [höchstwahrscheinlich Tiger Rubin] mitspielte und mir die allerersten Grundlagen beibrachte. Zunächst auf Sitzkissen und Polstermöbeln probierte ich mit den Größen der Drummerwelt mitzutrommeln. Es machte Spaß und so war ich sehr interessiert, als sich in meiner Schulklasse einige Kameraden zu einer Band formierten. Mein Problem war: ohne Schlagzeug keine Band. Das einzige Drumset, welches in Backnang erschwinglich war, sollte DM 350,-- kosten. Es war ein lausiges Teil, bei dem als Resonanzfelle Papier eingespannt war. Es gab aber nichts Besseres, also verdingte ich mich im Sommer 1968 als Ferienjobber bei AEG-Telefunken[2] und schaffte es tatsächlich, das Geld in 4-wöchiger Knochenarbeitzu beschaffen (Stundenlohn ca. 2 DM)."

Bandgründung

"Nach den Sommerferien ging es los mit den Proben. High Tension bestand anfänglich aus Dieter "Steppi" Müller - Bass, Herbert "Jungi" Junginger - Keyboards, Gitarre, Günter Eckert - Gitarre, Gesang, Reinhard "Chap" Kobald - Drums. Einige Wochen später kam hinzu Winfried "Winni" Stahl -Gitarre, Gesang."

Proben und Equipment

"Unser Proberaum war im Keller von Jungingers Haus in der Kirschengasse 40 in BK-Steinbach. Wir genossen die intensive, beinahe mütterliche Zuwendung von Jungis Mama. Regelmäßig wurden Kuchen und andere Leckereien gereicht. Zum benachbarten Mostkeller hatten wir uneingeschränkten Zutritt. Nur in ganz wenigen Fällen gab es Beanstandungen hinsichtlich der Lautstärke. Wir fühlten uns immer wohl in Jungingers Haus. (Der Clou: Selbst nach dem Ende von HT, als aus den Überresten von HT die Nachfolgeband Dactylus entstand, konnten wir in diesem Haus bleiben, obwohl Jungi gar nicht mehr dabei war. Das nenne ich großzügig.) Die Instrumente und das übrige Equipment von HT waren sehr einfach und zum Teil selbst gebaut. Steppi Müller hatte Ahnung von Elektronik und lötete Verstärker und Lautsprecherboxen zusammen. Seine Glanzstücke waren Imitate von Marshall-Gitarrenverstärkern und die gigantische Allzweck-Lautsprecherbox mit den Ausmaßen und dem Gewicht eines amerikanischen Kühlschrankes. Die Box wurde von vielerlei Quellen angesteuert, deshalb war der Verlust an Transparenz nicht zu überhören. Jungis Orgel hatte damals die Angewohnheit, 2 Stunden nach dem Einschalten die Tonhöhe ständig zu verändern, was einem harmonischen Klangbild im Zusammenspiel mit den Gitarren abträglich war. Erst nach 2-3 Stunden hatte sich das Tasteninstrument auf eine Tonhöhe festgelegt, und man konnte damit beginnen, andere Instrumente danach zu stimmen. Mama Junginger hatte also die Aufgabe, die Orgel samstags um ca. 11 Uhr einzuschalten, damit wir dann um 14 Uhr gleich loslegen konnten."

Repertoire

"War unser Repertoire anfänglich eher rockig und bluesig, so lag das primär an Günter. Er brachte Stücke mit in die Probe, die er zuhause vorbereitet hatte, darunter Songs von Cream, John Mayall und Free. Wir wagten es sogar, Songs zu spielen, die selbst heute äußerst selten nachgespielt werden, wie "In-A-Gadda-Da-Vida" von Iron Butterfly oder "You Keep Me Hanging On" von Velvet Underground[3]. Mit dem Eintritt von Winni wurde unser Gesangspotential deutlich verbessert. Winnis und Günters Stimmen harmonierten gut, und so konnten wir nun Songs mit anspruchsvolleren Gesangsparts probieren wie "Nights In White Satin". Winni gelang es sogar, "Into The Fire" von Deep Purple zu singen, wenn auch hörbar am Limit. Auch Partysongs wie "La Bamba" von Richie Valens [sic!] gehörten bald zu den Standards von High Tension. Die meisten Titel in unserem Repertoire stammten von Creedence Clearwater Revival (CCR). "Proud Mary", "Who'll Stop The Rain", "Green River", "Down On The Corner", "Suzie Q." waren die bekanntesten. Ein Highlight zu Beginn von HT war "Apache" (Shadows) mit Jungi an der Sologitarre. Aber auch Jungis Orgelspiel bei "A Whiter Shade Of Pale" (Procol Harum) war und ist heute noch hörenswert."

Auftritte

"Im Januar 1969 war es dann so weit: Es gab den ersten Gig (damals hieß das "Auftritt") im Gymnasium Backnang (damals das einzige Gymnasium in Backnang, und deshalb ohne "Max-Born") anlässlich eines "Tanztees". Der Tanztee war eine unregelmäßige schulische Veranstaltung im Gymnasium Backnang, die heute unter dem Begriff "Disco" ablaufen würde. Der Ort des Geschehens war der "Projex" (Projektionssaal). Die Resonanz im Publikum eher verhalten. Das hatte wohl 2 Gründe: 1. Was war das für Musik, die da gespielt wurde? 2. Egal, was das für Musik war, die Darbietung war grausam. Also wieder zurück in den Probekeller und üben! Im Laufe der nächsten 2 1/2 Jahre hatte HT 35 Gigs. Die meisten davon in Kasernen des amerikanischen Militärs. 1970 spielten wir dort monatelang 1 x pro Woche. Manchmal auch 2 mal (freitags und samstags). Damals war Samstag Schultag und es war immer spannend, sich selbst zu beobachten, wie man den Unterricht als Außenstehender überlebt, weil man erst um 3 Uhr im Bett lag. Die Zeit war zwar ziemlich stressig, aber durch die Vielzahl der Gigs in den Ami-Clubs kam ordentlich Geld in die Kasse. So konnte ich den Kredit für das Ludwig-Drum-Set (2000 Mark), welches ich im Sommer 1969 gekauft hatte, recht schnell zurückzahlen. Auch sorgten die vielen Gigs für den Feinschliff sowohl im Sound als auch bei der Spieltechnik."

Aufnahmen

"Es gibt eine Vielzahl von Tondokumenten von den Proben im Keller und einigen Auftritten. Steppi Müller hat diese feinsäuberlich archiviert und mir anlässlich meines 50. Geburtstages einige CDs zusammengestellt. Ein paar davon sollen hier auch zugänglich gemacht werden. Es sind "einfache" Aufnahmen dabei, die auch so klingen (Kassettenrekorder mit Mikrofon auf irgendeinem Tisch im Saal, z.B. der Auftritt in der Handelsschule Seminar), aber dennoch einen Eindruck von der Atmosphäre vermitteln. Und es gibt wirklich gelungene Mitschnitte, die zeigen, dass diese Truppe gut harmonierte, in der aber auch noch viel Potential steckte."

Auflösung

"Leider kam für HT im Juni 1971 nach dem Auftritt beim 1. Backnanger Straßenfest das Aus. Jungi und Winni gingen zum Wehrdienst, bzw. studieren. Die übrigen Musiker von HT kamen allesamt in anderen Formationen unter. Auch Jungi und Winni kehrten bald darauf wieder in die Backnanger Musikszene zurück. Aber das ist eine andere Geschichte."

Quellennachweise und Fußnoten

  1. Zitiert aus seinem Post über High Tension im Backnang Rock City Archiv.
  2. Zu AEG-Telefunken in Backnang siehe Artikel über Telefunken in Wikipedia, Unterkapitel: Telefunken nach dem Zweiten Weltkrieg - Fusion mit der AEG 1967; Firmenchronik AEG-Telefunken-ANT Band 3: 1961 bis 1970; Imagefilm von 1975: "AEG Telefunken in Backnang, Brasilien und Kanada".
  3. Eine rätselhafte Angabe, denn: einen Song namens "You Keep Me Hanging On" von Velvet Underground scheint es nicht zu geben. Es geht entweder um "Perfect Day" von Lou Reed, Ex-Mitglied von Velvet Underground - das Lied enthält am Ende des Refrains die Zeile "You just keep me hanging on", erschien aber erst 1972, ein Jahr nach Auflösung von High Tension -, oder um "You Keep Me Hangin' On" von Vanilla Fudge aus dem Jahr 1967; vielleicht liegt wegen des ebenfalls mit "V" beginnenden Bandnamens eine Verwechslung vor. --FJ

Fragen und Antworten

Offene Fragen

  • Wer ist im Besitz von Fotos der Band?

Kommentare

Wer Antworten, Fotos, oder andere Informationen beisteuern (oder auch einfach nur seinen Senf dazugeben) möchte, der/die kann hier einen Kommentar hinterlassen und Bilder hochladen etc.: